SG Neureich-Bimbeshausen

Live aus Sinsheim

11.04.2012

Der folgende Spielbericht folgt einem neuen Verfahren: Er wurde mehr oder minder als Livereportage während des Spiels verfasst, id est: er wurde chronologisch fortgeschrieben und nachträglich nur stilistisch korrigiert. Entsprechend gelten allgemeine Aussagen im Allgemeinen nur bis zum jeweiligen Spielzeitpunkt, sollten sie darüber hinaus Gültigkeit behalten, umso besser. Der offensichtliche Vorteil: Noch am Abend nach Ende des Spiels ist ein vollständiger Bericht zu lesen. Außerdem spare ich die Zeit des nachträglichen Schreibens und in der emotionalen Situation eines Livehoffespiels mit Spielfeldton aus einer 5.1-Anlage um mich herum kann ich mich ohnehin mit nichts anderem als dem Spiel beschäftigen.

Das Spiel begann also um 20 Uhr. Einmal mehr Salihovic als Zehner, der heute natürlich spielen musste, weil der HHSV große Fehler bei gegnerischen Standardsituationen zeigt und Salihovic diese ja bekanntlich gut ausführen kann. Ein weiterer Mann für Standards rückte in die Startelf: Sebastian Rudy wurde anstelle von Daniel Williams aufgeboten. Eine weitere Eigenheit der Hamburger, das exzessiv praktizierte Zurückfallen der Sechser, wurde offenkundig vorbereitet, Schipplock und Salihovic übten ihren Druck nicht primär auf die Innenverteidiger aus, sondern griffen erst dann zu, wenn ein Sechser zurückgelaufen war. Mit der entsprechenden Unterstützung von außen versprach dies gefährliche Ballgewinne, etwa nach vier Minuten nach Unterstützung von Firmino durch Schipplock, der aber vom letzten Hamburger Mann noch entscheidend gestört werden konnte. Ansonsten wurde damit die spielerische Schwäche der zentralen Defensivspieler ausgenutzt: es blieben im Allgemeinen nur der aussichtslose lange Ball oder der Spielaufbau über die Außenbahnen, insbesondere die rechte. Hoffenheim überließ dabei den Hamburgern in der Anfangsphase aber im Allgemeinen den Ball in der berechtigten Hoffnung, dass die Rothosen damit ohnehin nichts anfangen könnten.

Vukcevic sorgt nach einer Viertelstunde von der rechten Seitenlinie aus für eine folgenschwere Überraschung: Mit einem hohen Ball, der sich der Einordnung als Schuss oder Flanke verwehrte, zwang er Drobny zur unorthodoxen Abwehr über die Querlatte. Die folgende Ecke, scharf getreten von Salihovic, brachte eine weitere Ecke ein. Diese Ecke brachte gegen die nach Ecken schwachen Hamburger folgerichtig ein Tor ein, von Vestergaard, allerdings mit dem Fuß und großer Mithilfe eines HSV-Verteidigers, der den Ball unhaltbar abfälschte. In der Folgezeit war die TSG an Drücker und Ball. Dies benötigte eine Einarbeitungszeit ohne Torchancen, aber zehn Minuten später wurde der – wie schon am Wochenende zuvor in Kaiserslautern – hervorstechende Schipplock von Westermann im Strafraum am Schlappen erwischt, Salihovic verwandelte in einmal mehr in der bewundernswerten Weise, die er sich inzwischen durchweg angeeignet hat: in die obere Hälfte, in eines der äußeren Drittel, die bekanntlich für Torhüter am schwierigsten zu verteidigenden, aber auch am schwierigsten zuverlässig zu treffenden Sechstel des Tores.

Hoffenheim behielt nun die Kontrolle über das Geschehen, die Heimzuschauer mit „Zweite Liga, Hamburg ist dabei“ die Kontrolle über die Geräuschkulisse. Kurze Zeit später rutschte Ilicevic im Hoffenheimer Strafraum weg und senste Vestergaard um, die Gelbe Karte dafür war angesichts der Zeitlupe überzogen, es wirkte mehr so als habe Ilicevic selbst die Kontrolle verloren. In der Folge kam Hoffenheim immer mal wieder zu Chancen, Hamburg nicht, in der 43. Minute kam Schipplock etwas mehr als zwanzig Meter vor Drobnys Tor zu Fall, Salihovic lief auf den Ball zu, sah aber, dass Schiedsrichter Wingenbach den Vorteil laufen lassen wollte und blieb, gewitzt wie er nun einmal ist, einfach stehen, um sich die gute Freistoßgelegenheit nicht selbst zu nehmen. Die folgende Variante schien zwar einstudiert (Salihovic spielte rechts im Strafraum Compper flach an), führte aber nicht zum Ziel. Die erste Halbzeit endete damit, dass Wingenbach abpfiff, nachdem Vukcevic den Ball ins eigene Toraus geschlagen hatte. Dass Hamburg dadurch einen möglichen Eckball nicht mehr ausführen konnte, brachte Drobny derart in Rage, dass er sich zwischen Abpfiff und Kabine noch auf dem Feld die Gelbe Karte abholte. Das Publikum indes schien hochzufrieden, eine 2-Tore-Führung zur Pause zu Hause hatte es in dieser Saison in meiner Erinnerung allenfalls beim letzten Heimsieg im Herbst gegen Wolfsburg gegeben, auch da allerdings eher nicht.

Die Möglichkeit einer Online-Recherche bleibt dem Autor hier übrigens verwehrt, weil er bei seinem Pay-TV-Anbieter die TSG als Einzelspiel sieht, sich das spitzenspieligste Spitzenspiel seit Bayern-Hoffenheim 2008 in einer Aufzeichnung direkt nach Abpfiff ansehen möchte und er bei seiner Recherche auf entsprechenden Fußballseiten wohl unweigerlich auf einen Zwischenstand stoßen würde. Als wäre es nicht anstrengend genug, andauernd die Hand in den Teil des Blickfeld mit der Blitztabelle zu halten und zu versuchen, das Sich-Gedanken-Machen bei Reaktionen des Stadionpublikums auf die mit Tss-Tss, Chu-Chu, oder ähnlichen schwer niederschreibbaren Geräuschen eingeblendeten Zwischenergebnisse zu unterdrücken. Da der Kommentator bei mir ohnehin ausgeschaltet bleibt und ich die Halbzeitanalysen in diesem Moment erfolgreich übersprungen habe, sehe ich meine Erfolgsschancen als gut an. Allgemein kommt mir hier allerdings in den Sinn, dass der heutige Abend das Stammpublikum von Schalke, Nürnberg, Hannover, Wolfsburg, Hoffenheim, Hamburg, Leverkusen und Kaiserslautern an den Scheideweg stellt: Wollen sie den besseren, wahrscheinlich spannenderen, wichtigeren Fußball sehen, über den auch morgen jeder sprechen wird und den, wenn es ein denkwürdiges Spiel wird, noch in Jahren jeder angeben wird, gesehen zu haben, oder wollen sie einfach nur ihren Verein sehen? Ich möchte keine der beiden Entscheidungsmöglichkeiten für illegitim erklären, eine Aussage hierbei trifft für mich aber das besonders gut das TSG-Publikum: Ich schätze, dass der Anteil derer, die sich für Dortmund-Bayern entscheiden, unter den sich als Fans bezeichnenden Zuschauern keines anderen Bundesliga-Vereins so hoch sein wird.

Zur zweiten Halbzeit kamen Petric und Töre für Arslan und Sala, zwei Korrekturen an der Startelf, die mir als völlig HHSV-unkundigem Betrachter schon vor Spielbeginn als sinnvoller erschienen wären, was sich noch viel grinsender sagen lässt, wenn der vermeintliche Aufstellungsfehler der Gäste zu einer 2:0-Pausenführung beigetragen hat. Doch die Rothosen machten sich nun direkt bemerkbar: Zunächst knallte es an der Latte von Tom Starke, dann kam es zu einem offenkundig gefährlichen Spiel von Roberto Firmino an der Torraumlinie, das glücklicherweise nicht mit dem erforderlichen Pfiff und der anschließenden Rudelbildung auf der Torlinie geahndet wurde. Stattdessen dauerte es keine fünf Minuten, bis Fabian Johnson von links in den Strafraum zog und mit einem äußerst feinen Dribbling zwischen fünf HHSV-Spielern am Torraumeck zum Abschluss kam und ins lange Eck einschob. Zugegebenermaßen waren die Rothosen nicht allzu aktiv damit beschäftigt, dieses Tor zu verhindern, dennoch ist Johnsons Tor für mich eines der schönsten dieser Mannschaft in dieser Saison. So ging es dann auch weiter, Hoffenheim hatte die Kontrolle und überhaupt alles in der Hand, Schipplock traf endlich mal wieder auch selbst aus sechzehn Metern mit links nach einem schönen Ballgewinn durch Vukcevic. Das schönste an diesem Tor für mich die Reaktion von Tom Starke. Er schaute sich an, was da vorne geschah, winkte ab und schüttelte mit fassungsloser Miene den Kopf. Dieselbe Mannschaft, die vor nicht allzu langer Zeit 1:7 gegen den FC Bayern verloren hatte, frühzeitig totgesagt, ins Niemandsland einsortiert und zur neuen grauen Maus erklärt worden war, die seit Herbst kein Heimspiel mehr gewonnen hatte, führte nach einer Stunde mit 4:0.

Schon der folgende Wechsel war allerdings hervorragend dazu geeignet, meine Stimmung wieder abzusenken: Der – wie gesagt – inzwischen konstant starke Schipplock ging vom Feld und für ihn kam Edson Braafheid, der immerhin die Defensive mit seiner chronischen Ungeschicktheit nicht behelligte, sondern die Linksaußenposition einnahm. Die TSG spielte daraufhin in einem 4-2-4-0-System, in dem Firmino nach halblinks einrückte und Salihovic sich etwas nach rechts orientierte. Trotz Namensgleichheit hat dieses System dabei wenig mit dem von Stanislawski in der Hinrunde praktizierten zu tun: Die Außenverteidiger bleiben Außenverteidiger, die Mittelfeldspieler Mittelfeldspieler und die Offensiven halten ihre Positionen. Dem HHSV wurde der Ball überlassen, die besseren Chancen hatte durch Konter der Heimverein. Es geschah nun nichts mehr, das verschaffte Zeit zum ersten Korrekturlesen des Spielberichts.

Eine noch größere Überraschung als der Spielstand zu diesem Zeitpunkt war für mich die Einwechslung von Knowledge Musona. Der Simbabwianer, Simbabwese o.ä. kam kurz vor der achtzigsten Minute für Sejad Salihovic. Er schien unter Babbel völlig aussortiert und kam nun doch ins Spiel. Babel dagegen blieb weiterhin draußen, ich hoffe sehr, dass irgendjemand kommt und ihn uns abkauft. Kurz nach Musonas Einwechsulng wurde es laut, es machte Dm-Dm-Dm (Eye-of-the-Tiger-Akkorde) und Tss-Tss und ein lautes „Jaaa!“ ging durchs Stadion. Ich kann mich nicht gegen den Eindruck erwehren, dass entweder Borussia Dortmund gegen den FC Bayern oder der 1.FC Kaiserslautern im Kampf ums internationale Geschäft gegen Leverkusen getroffen haben musste. Dieses internationale Geschäft, das unter Stanislawski stets nah war, unter Babbel weit in die Ferne rückte aber immer noch ein kleines Fenster einer Möglichkeit in meinem Hirn darstellte, für das ich durchaus verlacht wurde, rückt nahezu unabhängig von den anderen Ergebnissen wieder in greifbare Nähe. Eine Handvoll Minuten später ging dann Weis angeschlagen und es kam Daniel Williams – Babel blieb 90 Minuten draußen. Genauer gesagt weiß ich nicht einmal, ob er auf der Bank saß, diesen Irrtum möchte ich mir von vorne herein erlauben. Einen weiteren möglichen Irrtum auch: Hoffenheim rückt mit diesem Sieg mitten in den Kampf um die internationalen Plätze. Es sind zwei Punkte auf Bremen, ein bis vier auf Leverkusen, null bis drei auf Wolfsburg und null bis drei auf Hannover. Für einen internationalen Platz müssen drei dieser vier überholt werden, das Restprogramm enthält den direkten Konkurrenten Leverkusen, die – nun ja – derzeitigen Punktelieferanten Nürnberg und Hertha und als schwerstes Spiel einen Gastauftritt bei den von Christian Streich (Harald Schmidt würde sagen: „Grüße, bitte!“) trainierten Freiburgern. Ich behaupte kühn, dass ein Sieg gegen Leverkusen und sechs bis sieben Punkte aus den anderen drei Partien reichen werden. Es kann, es darf, es muss wieder geträumt werden. Ich freu mich.

Diktatur der Ahnungslosen

27.03.2012

In Gladbach wurde offensichtlich von der Müdigkeit des Gegners profitiert, mit Rudy erstmals auf links anstelle des defensiv unzufriedenstellenden Firmino und Weis an seiner Stelle zentral wurde das Spiel weitestgehend kontrolliert, ein hervorragender Gladbacher Angriff und die übliche Abschlussschwäche (insbesondere mit Babel als Mittelstürmer) sorgten dennoch für den Pausenrückstand. Zunehmende Gladbacher Erschöpfung, eine Einzelaktion des eingewechselten Firmino und einem unansehnlichen Tor durch Vukcevic drehten das Spiel noch zugunsten der TSG. Mit nun 33 Punkten bleiben sowohl auf Internationales wie auch Zweitklassiges nur noch Außenseiterchancen. Der Rest der Saison kann also getrost für Experimente genutzt werden, ein Sieg zur Wahrung der Klasse wird schon noch dabei herausspringen. Ob Babbel seine Bilanz dafür riskieren will und Spieler wie Kaiser, Strobl, Conrad, Wieser, Thesker, Musona, Mlapa zum Einsatz kommen lässt, bleibt abzuwarten.

Während bei Sigurdsson eine Rückkehr derzeit wahrscheinlich scheint und für Zuculini und Wellington wohl schon der nächste Parkplatz gesucht wird, wird einer definitiv nicht zurückkehren: Chinedu Obasi Ogbuke wurde von Schalke über die Saison hinaus gebunden. Ob dies wirklich jetzt erst geschah oder nur jetzt erst bekannt gegeben wurde, ist so unklar wie egal. Mit dem bevorstehenden Abgang von Salihovic (der selbst keine schlagkräfitgen Argumente für eine Vertragsverlängerung als einer der Topverdiener liefern kann – treffenderweise spricht Babbel im völligen Gegensatz zu meiner Ansicht davon, dass sowohl er als auch Weis ihm Argumente lieferten...) ist damit die gesamte Offensivabteilung der Hurra-Episode weitergezogen.

Berichte, wonach Babbel der „Hoffenheimer Magath“ geworden sei, zielen doch völlig an der Realität vorbei: Babbel, der erst kurz zuvor von seiner neuen Aufgabe informiert wurde, wirkt doch viel mehr wie ein Strohmann, eine Ausrede, um nicht sagen zu müssen: „Wir brauchen keinen Manager, wir (ich) entscheiden doch ohnehin alles selbst“, Herr Beisitzer und Gesellschafter. Außerdem wird Tanners Posten als Geschäftsführer Sport gar nicht von Babbel, sondern von Briel übernommen: „Geschäftsführer Sport wird bis Sommer kommissarisch Frank Briel. Außerdem involviert in Transfers sind die beiden Gesellschafter Peter Hofmann und Dietmar Hopp.“(q)Wenn ich noch einmal an Sportmarketing Inside erinnern dürfte: Ein Manager mit Fachwissen, Eigenverantwortung und erstmals seit Schindelmeiser auch wieder mit Macht ausgestattet, würde dem Image gut tun. Allein es fehlt der Glaube. Übrigens gibt es nicht mehr nur Beisitzer und Gesellschafter: Es gibt auch ein Expertengremium: „Nicht der Beirat, sondern ein Expertengremium von 1899 Hoffenheim hat Tanners Verpflichtung von Bastian Oczipka verhindert“, korrigiert sich oder jemand anders die RNZ. Die Frankfurter Rundschau beschreibt das schon ganz treffend als „Diktatur der Ahnungslosen“.

In– und Outside

22.03.2012

Am Montag strahlte WDR bei „Sport Inside“ mal wieder einen Bericht über die TSG aus. In einem der ersten Sätze ist von „fehlender Tradition“ die Rede, die Position wird damit schon zu Beginn abgesteckt: es wird wertend angenommen, Tradition sei aus Gründen notwendig. Die altbekannte Gegenüberstellung von „Märchen“ und „Ernüchterung“, die auch schon nach der schwächeren Rückrunde 2009 angebracht wurde, dient zur Einleitung in einen knapp zehnminütigen Beitrag, der sich zu einem beachtlichen Teil um Sportmarketing dreht: „Für was steht Hoffenheim 2012 noch?“. Es wird dem Verein vorgeworfen, sein Image unzureichend gepflegt zu haben, ohne einen konstruktiven Vorschlag dafür zu bringen, wie man einen offensichtlich fremdfinanzierten Dorfvereinen in den strukturkonservativen Bundesliga-Betrieb „besser als Marke positionieren“ sollte.

Mit Sätzen wie „Einer zahlt alles, dachte man immer“ wird großzügig darüber hinweg gesehen, dass nie Zweifel daran gelassen wurden, dass der Verein sich selbst tragen solle und das inzwischen seit zwei Jahren mit wertvollen Abgängen untermauert wird. Aus unterschiedlichen Antworten auf unterschiedliche Interviewanfragen wird gefolgert, dass Hopp ein Eigenleben im Verein habe. Das mag zur gewünschten Konklusion kommen, schlüssig ist es nicht.

„Mein Eifelherz ist nur noch ein schwarzes Loch“, sagt eine Frau zu sentmientaler Geigenmusik im folgenden Beitrag über den Nürburgring. Sport Inside schafft es nicht, bei mir den Eindruck zu verbessern, den ich von der Sendung hatte: Journalismus mit durchaus investigativem Ansatz, gepaart allerdings mit Fragestellungen für den Boulevard, engstirnigem Hinarbeiten auf ein erhofftes Urteil und vorgetragen mit vorgegebener Wertung wie Moderationen von Marietta Slomka. Man mag mich da nicht falsch verstehen: Ich wünsche mir sehnlich tiefgreifende Untersuchungen zu den Entscheidungsstrukturen und Verantwortungsverteilungen, aber kein solches dem Bashing dediziertes Filmchen aus oberflächlichem Kratzen, das sich hier noch ansehen lässt.

Auch Ernst Tanner hat im WDR ein paar Sätze zu sagen: „Wenn wir was für sinnvoll erachten, können wir durchaus auch mehr Geld ausgeben. Das gibt uns auch ein bisschen Sicherheit und schadet auch nicht der Attraktivität des Ganzen“. Damit im Hinterkopf wollte Tanner wohl Oczipka von Leverkusen holen, wurde aber wohl von anderen Verantwortlichen gebremst. Entspricht diese Haltung von Tanner, der eher als knallharter Sanierer gilt, der Spielern mit hohem Gehalt wie Salihovic und Weis ein Verbleiben im Verein nicht schmackhaft machen will, nicht der der anderen „Verantwortlichen“? Und natürlich, die seit eh und je wichtigere Frage: Wenn nicht die wirtschaftlichen Geschäftführer Briel und Rothaus und auch sicher nicht Elektrofachgeschäftsbetreiber Hofmann eine Entlassung von Tanner bewirken, wer tut es wohl dann? Was hat der plötzlich in der Berichterstattung auftauchende Spielerberater Stipic, mit Hopp und seinen Vertrauten über Ecken bekannt und verschwägert, etwa vom SC Freiburg als unseriöser Spielerberater abgetan und boykottiert, zu schaffen? Wer aus diesem Umkreis gibt gezielt Informationen an die BILD weiter? Wäre Sport Inside doch nur mit mehr Interesse und mehr Erfolg an diesen Fragen dran, ich würde sie persönlich für den Grimme-Preis vorschlagen.

Nun hat die TSG jedenfalls am heutigen Nachmittag die Trennung von Tanner bekannt gegeben. Zitiert wird Hopp im Ton „Wir als Gesellschafter“. Es mag sich angedeutet haben, der kicker bestätigt zwar nicht die behaupteten 500.000€, aber doch gerade einmal 0,9 Millionen Euro sollen auf Grund eines Fehlers von Tanner für Demba Ba geflossen sein. Babbel, der in seiner bisherigen Zeit durchaus schoßhündliche Unterwürfigkeit demonstriert hat, soll die Kaderplanung übernehmen. Ich freu mich schon...

Der Matchwinner

19.03.2012

Der Bundesligarekord von 8 Heimunentschieden in Folge wurde verpasst. Sehr schade, man hätte sich einen der sicherlich langweiligsten Rekorde überhaupt gesichtert, was sowohl den Respekt für diese Leistung als auch die Freude beim Entstehen angeht. Dagegen sind selbst die 15 Heim-Nicht-Niederlagen des HSV spannend. Die darüber hinaus am Ende der Saison voraussichtlich dafür sorgen werden, dass das internationale Geschäft auch im kommenden Jahr ohne den VfB stattfinden wird (es sei denn, Bremen schwächelt noch mehr, was ihnen aber schon alleine aus diesem Grund erspart bleiben möge). Die TSG richtet den Blick nach unten, hauptsächlich weil es unangebracht wäre, nach oben zu blicken, unten gibt es aber auch nicht viel zu sehen, da zwei Mannschaften aus Haupt- und Mittelstadt mit ihren Bewerbungen um die Abstiegsplätze sehr gut im Rennen liegen und auch der HHSV und die, nun ja, von Chaoten infiltrierte Truppe vom Mittelrhein mindestens ebenso schlecht und erfolglos spielen wie Hoffenheim.

Das Spiel ist nicht groß der Rede wert, in der ersten Halbzeit Doppelzuckerflanke von Khalid „Ich habe nicht nur ein Zuckerfüßchen, im Privatleben bin ich auch sehr süß“ Boulahrouz und Doppeltorschütze für den VfB war „ausgerechnet“, „ausgerechnet“, „ausgerechnet“, „ausgerechnet“, „ausgerechnet“, „ausgerechnet“, „ausgerechnet“ (...) V.I.. Dieses im Sportjournalismus beispiellos oft verschwendete Wörtchen zieht sich durch die Spielberichte, wo sich aber (zumindest meiner kurzen Recherche zufolge) selbst das hinterletzte Sportportal im Internet ein wenig Stil bewahrt, klotzt man in der Heidelberger Redaktion: „Ausgerechnet Vedad Ibisevic“ prangt in fettschwarzen Lettern ins Auge des Betrachters. Gut gemacht jedenfalls, die beiden Tore, eben weil auch garnicht soo schlecht gemacht von Compper und Vestergaard. Eher schlecht gemacht vom Trainerstab, die Außenverteidiger Johnson und Beck weit innen stehen zu lassen und Roberto Firmino mit dem Verhindern von Flanken von Außenverteiger Boulahrouz zu bedenken. Seine Auswechslung spricht dafür, dass er als Sündenbock ausgemacht wurde.

Hoffenheim ansonsten mit solider Spielanlage; Mlapa wurde von Rudy häuig mit steilen Pässen geüttert und gefordert, zur Halbzeit musste der Sechser, in meinen Augen einer der besten Spieler auf dem Platz, in der Kabine bleiben, Salihovic kam nach abgesessener interner Disziplinarstrafe wieder auf den Platz und, man kann es so sagen, riss das Spiel an sich. Dass dann aber in verschiedenen Publikationen einhellig von einer „ernüchternden ersten Hälfte“ und „erst nach der Pause überzeugenden“ Gastgebern und zu lesen ist, kann ich nicht nachvollziehen. Sicherlich ging die erste Halbzeit 0:2 und die zweite 1:0 aus, mir hat das Spiel in der zweiten Halbzeit aber deutlich mehr Sorgen bereitet als in der ersten. Vor der Pause wurde halbwegs konzentriert, geordnet und planvoll Fußball gespielt, es fehlte wie so oft die Durchschlagskraft im Sturm und der letzte Pass, aber Rudys Anspiele auf Mlapa hätten in meinen Augen sehr wohl (noch) für ein Tor sorgen können. Darüber hinaus war die Defensivleistung bis auf die beiden wie gesagt schwer zu verteidigenden Gegentore und eine Handvoll anderer Situationen ordentlich. In der zweiten Hälfte dagegen wurde jegliches spielerische Konzept aufgegeben, hinten ergaben sich gefährliche Chancen der konternden Stuttgarter gegen die in Auflösung begriffene Defensive. Nach vorne ergab sich eben nicht mehr Durchschlagskraft, erst ein geschenkter Elfmeter sorgte für ein Tor (völlig berechtigt, aber völlig unnötig, weil in eher ungefährlicher Situation entstanden; ein Geschenk des VfB an die TSG) durch Salihovic.

Über seine Rolle kann man geteilter Meinung sein: Er führte sich als großer Anführer auf, sicherlich nicht zum Schaden für den Einsatzwillen seiner Mitspieler, auch über ein gesundes Maß hinaus. Vukcevic etwa forderte in der zweiten Hälfte, wenn Salihovic desöfteren über rechts kam, fortweg den Ball, brachte aber mit ihm in den entstandenen Situationen kaum etwas zustande. Andererseits bemühte er sich gar nicht erst, als mannschaftsdienlicher Spieler zu wirken. Gegen Ende des Spiels etwa gab es einen Freistoß für Stuttgart von der Nähe der Strafraumecke aus. Starke forderte eine 2-Mann-Mauer, die zunächst aus Beck bestand, der Salihovic als kopfballschwachen Spieler hinzurief. Salihovic aber schien so erpicht darauf, einen zweiten Ball zu erreichen, irgendetwas abzufangen oder einen Konter zu lancieren, dass er nicht wollte. Starke kam aus dem Tor heraus und versuchte ihn zur Ordnung zu rufen, Beck brüllte „Sali!“, aber Sali kam nicht näher aus der Mitte heraus und damit an Beck heran, Beck streckte den Arm aus und versuchte, Salihovic in der Hand festzuhalten. Erfolglos. Die Mauer musste ohne ihn auskommen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob für solche Selbstdarsteller und Egoisten im heutigen Fußball noch Platz ist.

Neben dem Platz ist auf jeden Fall Platz: Fredi Bobic fällt seit Wochen durch unverschämte und aggressive Aussagen auf, diesmal sagte er zur Gelben Karte gegen Ibisevic, der Starke bei seinem übereifrigen Nachsetzen mit dem Schuh am Kopf getroffen hatte, woraufhin Starke über dem Auge blutete. Es war überall von einer „unschönen“ bis „unnötigen“ Aktion zu hören und zu lesen, einzig Bobic erdreistete sich, zu sagen: „Ich habe mich darüber geärgert, weil die Torhüter heute nur noch Weicheier sind. Wir sind im Kindergarten.“(q)

Enttäuschend bleibt das Spiel aber in beiden Halbzeiten. Auch die doppelte Verneinung sorgt dabei nicht mit Nichten für keine Verwirrung. Nicht: „Weder im Verbund noch individuell ging bei "Hoffe" leider relativ wenig.“ Das bringt es allerdings auf den Punkt: Es ist alles nicht so ganz zu verstehen, aber mit dem „leider“ lässt es sich leicht identifizieren. Siehe dazu auch Sport Inside heute abend. Dazu und zu Tanner und zu Stipic und den anderen albtraumverursachenden Beisitzern, Berater und BILD-Lecks später mehr. Stay tuned.

Aufbaugegner

12.03.2012

„Wir müssen mutig sein. Alle Mannschaften, die mit Angst ins Spiel gegangen sind, sind sang- und klanglos untergegangen. Für uns ist es schlussendlich ein Bonusspiel, wo man, wenn man alles rausholt, was mitnehmen kann.“ – Markus Babbel vor dem Spiel (bei Liga Total)

Babel und Schipplock verletzt, wann, wenn nicht heute, sollte man einen schnellen und robusten Stürmer, der konternd steil geschickt werden kann und mit Tempo und Durchsetzungsfähigkeit die bisweilen ängstliche Bayern-Abwehr verunsichern kann, aufstellen? Aber nein, Babel wurde von Babbel in seiner Stammposition vor dem Vierer-Mittelfeld aufgestellt und anstelle eines Stürmers nominierte er mit Isaac Vorsah einen Spieler, der zwischen einer defensiven Mittelfeldrolle und einer Positon als drittem Innenverteidiger pendelte. Die Mittelfeldreihe bestand aus Firmino, Rudy, Weis und Vukcevic, da Williams für den kurzfristig verletzten Johnson und in Ermangelung des gesperrten Beck rechts verteidigen sollte. Dazu kam neben der gehabten Innenverteidigung der Spieler aller Spieler, der mit seinen WM-Final-tauglichen Defensivqualitäten ein ums andere Mal den leichten Geruch von Weltklasse in die provinzielle Dorfmannschaft bringt: die Abseitsfalle im Kopf und das Rumpeln im Fuß, Edson Braafheid.

Mit einer solchen 4-1-4-1-Aufstellung war Babbel schon mit der Hertha in München aufgekreuzt, die Bajuwaren gestalteten das Ergebnis damals gnädig, da sie keine Krise zu bewältigen hatten und die Lust entsprechend nach drei bis vier Toren nachließ. Zur eigenen Unfähigkeit kam für die „Hoffers“ ( – eine neue Bezeichnung der Mannschaft, die ich bei Sky gelernt habe, der Sender hat möglicherweise eine eigene „Deswegen wird er/sie/es auch X genannt“-Abteilung, die bei dünner Faktenlage auch selbst schöpferisch tätig wird – ) für diese Hoffers also kam die Krise der Bayern, die auch nach sechs Toren noch nicht ausreichend bewältigt zu sein schien, reichlich ungelegen. Darüber hinaus kamen die Bayern in offensiver Bestbesetzung (Gomez, Ribery, Müller, Robben, Kroos) und der Rasen war auch schlecht, das eigentlich zur Hauptsache.

Jedenfalls gilt in dieser Saison ein recht anschaulicher Grundsatz: Mannschaften, die in konzentrierter mannschaftlicher Organisation antraten (in der Hinrunde und Bayerns stärkster Phase insbesondere Gladbach und Hannover), holen Punkte gegen den FC Bayern, die anderen sind chancenlos. Am chancenlosesten aber sind Teams, die weder in der Lage noch in der Form noch in der Einstellung noch in der Ausrichtung noch in der masterplanigen taktischen Gewitztheit antreten, irgendwas zu holen. Experte für Spiele dieser Ausrichtung ist in dieser Saison Markus Babbel. Der bisher einzige Trainer, der in dieser Saison zwei Bundesligaspiele beim FC Bayern zu bestreiten hatte und dabei elf Gegentore sammelte. (in Ziffern: 11, auf Südbadisch und Brandenburgerisch: ölf). Ich erinnere kurzfristig wehmütig an Holger Stanislawski, der damals eine Serie von zehn Zu-Null-Siegen, die letzten vier davon gegen Villareal, Schalke, Leverkusen und Manchester City mit einem 0:0 brach. Dabei hervorstechend war das überragende Pressing, das es doch eigentlich nur „unter Randnick“ (Didi) gegeben hatte und dessentwegen Holger u.a. gehen musste. Pressing aber ist nur als Kollektivverhalten sinnvoll und erfordert klare Vorgaben und Absprachen. Im Idealfall durch den Trainer.

Hoffenheim ging erstmals unter Babbel nicht mit 1:0 in Führung. Stattdessen nach vier Sekunden der erste hochnotpeinliche Fehlpass von Vorsah und nach acht Sekunden muss Vestergaard eine Hereingabe am Fünfer klären. Der erste eigene Ballbesitz endet mit einem Rückpass auf Vorsah und einem unkontrollierten Vordreschen des Balles. Bayern verwaltet den Ball kurz, kommt dann gefährlich vors Tor, Hoffenheim erorbert den Ball, Braafheid gibt ihn direkt zum Gegner und lässt sich dann von Robben überlaufen.

Ein völlig unverständliches taktisches Konzept entspinnt sich: vorne setzt Weis ganz alleine Gegenspieler unter Druck, ohne dass jemand anders mitpressen würde, hinten sind die Spieler darauf aus, die Gegenspieler zu doppeln, was selten gelingt, weil die Bayern schneller die Seite wechseln als die Hoffenheimer verschieben können und gelingt das Doppeln doch, stehen zwei Spieler daneben, greifen nicht an, verstellen allenfalls den direkten Pass in die Spitze, sodass immer noch genug Zeit und Spielermaterial verfügbar ist, um den Angriff eben anderswo fortzusetzen; wegen des zu langsamen Verschiebens meist erfolgreicher. Vorsah spielt nach wenigen Minuten dauerhaft einen dritten Innenverteidiger und beteiligt sich auch nicht an den zwischen dem 2:0 und 3:0 durchaus stattfindenden Bemühungen zum Spielaufbau. In der Folge einer eigenen Ecke kommt Bayern mit vier gegen drei zum Kontern, Vorsah gelingt es, einen Fehlpass über drei Meter zu spielen und der Ball gelangt auf die linke Seite zu Ribery, wo sagenhafterweise drei Spieler um ihn herum stehen und ihn nicht angreifen: in der Mitte steht Kroos 20 Meter vor dem Tor frei und netzt ein. Weis war zu Ribery gelaufen, Rudy deckte einen eventuellen Pass zu Robben ab, Vestergaard stand bei Gomez und Vorsah, Compper und Braafheid bewachten zu dritt Müller. (usw usf)

Ich habe ja tatäschlich versucht, mir das ganze Spiel noch einmal ganz anzusehen und zu analysieren, aber es macht – wenn auch nicht unmittelbar traurig oder wütend – eine durchaus unangenehme Stimmung im Raum und im Kopf. Ich verweise daher auf die in vielem weiseren taktischen Ansichten anderswo. Bei der Rhein-Necker-Zeitung kann man so etwas ja vergessen, erst neulich schämte man sich nicht, diesen Artikel zu veröffentlichen:

Wir halten fest: es gibt überhaupt nur zwei Systeme im Fußball: Das eine, das alle guten Trainer und Teams spielen, sieht gut aus und gewinnt und dieses andere, das Stanislawski anscheinend auch noch gut findet, nicht. 1999, bei der Stadioneinweihung, muss Hoffenheim auch noch mit diesem anderen System gespielt haben. Damals gab es, wenn ich mich richtig erinnere, ein 1:4. Und das Hoffenheimer Tor war auch kein Eigentor, sondern in meiner Erinnerung eines von Rene Lahr. Aber das war ja auch ein Heimspiel. Und der Rasen war gut.

„Wenn man ganz ehrlich ist, müssen wir froh sein, dass wir nur Sieben bekommen haben. (...) Wenn es dazu dient, dass sie deutscher Meister werden, soll es mir recht sein. (...) Wenn man so verliert, tut es schon ganz schön weh. Aber morgen stehen wir wieder auf und arbeiten für [sic] Stuttgart.“ – Markus Babbel nach dem Spiel (auf der PK)

Diese Wortwahl macht mir durchaus Angst.

Revue

05.03.2012

Seit Stanislawskis Abgang ist nun fast ein Monat vergangen. Babbel ist bisher ungeschlagen, Hoffenheim führte in allen vier Spielen mit 1:0, kassierte aber jedes einzelne Mal das 1:1, so blieb es bis auf das Wolfsburg-Spiel dann auch bis zum Ende. Die Leistung war jedes Mal fröhlich stimmend, gegen Wolfsburg und Köln war man deutlich überlegen und verbaute sich nur mit schwacher Chancenauswertung einen höheren bzw. Sieg. Es stehen 4 Spiele, 3 Unentschieden, 1 Sieg, 5:4 Tore, 6 Punkte zu Buche.

Es gibt ja den Bayern-Zyklus, nach dem auf einen experimentierfreudigen Trainer immer ein bewahrender, auf einen umkrempelnden ein angepasster, auf einen nahen ein distanzierter Trainer folgt. Daher: hinten dicht, Schluss mit den aufrückenden Außenverteidigern, mehr Defensivaufgaben für die Stürmer, wer als Außenspieler nicht mit zurück rückt, verliert seinen Platz, der Trainer wird gesiezt, die Aufstellung bleibt fast komplett identisch. Die folgende Startelf hat sich herauskristallisiert:

Es sind nun sechs Spieltage seit dem „Oh Nein! Wer soll jetzt Tore schießen?“-Wechsel vergangen. Seitdem haben acht verschiedene Spieler in der Bundesliga getroffen: Johnson, Mlapa, Salihovic, Vestergaard, Vukcevic, Firmino, Schipplock, Compper. Notenschnitt von Ibisevic seitdem (kicker): 4,0.

So Hoffenheim got stuffed

05.03.2012

Aus einem ausgewachsenen Interview mit David Sullivan (Pornograf, Verleger und Vorsitzender von West Ham United):

Der Tag nach dem Tag nach dem eigentlich entscheidenen Tag

10.02.2012

„Ich habe den Auftrag erhalten, Sondierungsgespräche zu führen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.“ – Ernst Tanner, q

So viel zur Entscheidungsgewalt im Verein. Die Entscheidungsgewalt hat heute Babbel zum Trainer erklärt und die einzig interessante Frage ist die, wann und wohin das Tattoo kommt. Ansonsten ist die Schall-Affäre beigelegt, indem der DFB die Ermittlungen gegen den Mitarbeiter eingestellt und gegen den Verein nie aufgenommen hat. Wer sich für ein gewisses Maß an Aufgebrachtheit interessiert, steige hier ein. Tim Jürgens hat die Ära Stani bei 11f lesenswert zusammengefasst. Und ich hoffe auf Ralf Rangnick als Nationaltrainer Englands.

Morgen geht es nach Bremen, die dpa berichtet von 101 verkauften Sitz- und 46 Stehplätzen im Gästebereich. Fahrtgeldspenden an mich, um eine Karte mehr zu verkaufen, werden noch bis morgen, 10 Uhr, angenommen.

Ich muss das alles nicht verstehen

08.02.2012

Ich muss das alles nicht verstehen. Ich soll auch nicht. Niemand soll. Die eine dauerhaft präsente Presse hat seit ich lesen kann noch kein schlechtes Wort über den Vadder verloren. Die andere hab ich nicht mehr gelesen, seit ich denken kann. Ich kann nur hören und staunen, hadern und zaudern, brüllen und trauern, und mich ärgern.

„Wenn Sie wüssten, was hier los ist im Verein, das ist nicht normal...“ – „Was meinen Sie konkret?“ – „Kein Kommentar. Wenn Sie wüssten, dann könnten Sie uns alle so ein bisschen verstehen. Es ist so, dass wir heute verloren haben.“ – „Wie störend sind solche Aussagen von Dietmar Hopp, der unter der Woche sagte, er erkenne keine spielerische Linie, der nochmal Öl ins Feuer gießt?“ – „Kein Kommentar“ – „Wie können Sie uns die Situation einigermaßen erklären, dass wir sie verstehen können?“ – „Was ich gesagt habe, spricht für sich. Wir haben heute verloren, ich bin total enttäuscht. Ich bin Angestellter von Hoffenheim und muss aufpassen was ich sage, von daher ist das alles ein bisschen gefährlich für mich als Spieler, deswegen kein Kommentar, sorry.“ – „Das verstehe ich. Sind Mannschaft und Trainer noch eine Einheit?“ – „Wenn sie heute vor dem Spiel und in der Pause in der Kabine gewesen wären, dann wüssten Sie, dass wir eine Einheit sind. Wir sind ein verschworener Haufen. Im Moment läuft einfach alles gegen uns.“ (Der Bärtige im ZDF)

„Klar, die Nerven liegen schon ein bisschen blank. Es ist eine schwierige Situation für uns. Es herrscht seit Monaten fast schon eine chronische Unzufriedenheit, egal ob wir ein gutes Spiel machen oder nicht. Das belastet natürlich alle im Umfeld.“ (Der Kapitän im ZDF)

„Die Fans haben sie 90 Minuten lang gefeiert. Sie haben mit der Mannschaft zusammen gezeigt, dass sie eine Einheit sind, das konnte man sehen und trotzdem ist alles unruhig.“ – „Ich glaube, dass es gut ist, wenn ich mich ganz loyal gegenüber allen verhalte und gucke dass ich mit den Jungs meinen Job mache.“ (...) „Es gibt ja schon Gerüchte, dass der Dietmar Hopp mit Herrn Rangnick gesprochen hat.“ – „Mit wem Herr Hopp gesprochen hat, das kann ich nicht beurteilen, insofern müssen Sie da den Herrn Hopp fragen aber nicht mich.“ – „Den würd ich gern, aber er mag nicht...“ (Der Trainer im ZDF)

„Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung soll Markus Babbel schon am Samstag in Bremen als neuer Trainer von 1899 Hoffenheim auf der Bank sitzen.“ (Die Monopolzeitung online)

Mit ohne Ketschup

26.01.2012

Ibertsberger nicht zu 1860 München. „Ich habe mir sehr ausführlich Gedanken über einen eventuellen Wechsel gemacht. Schlussendlich habe ich mich zu einem Verbleib in Hoffenheim bis zum Saisonende entschieden“, sagte der 29-Jährige. „Und alle so: Yeah!“, dachte ich.

Abschied leicht gemacht auf der anderen Seite:
„Die Fans hier haben Tradition“, sagte er, deshalb freue er sich „sehr auf die besondere Atmosphäre“ in der Arena.(q) Dabei entwickelt sich doch! Die pfeifenden Deckel bleiben doch jetzt zu Hause und die Anwesenden geben Ruhe... Aber danke Vedo, danke für diese Steigerungsform von Tradition: „Tradition haben“ als Eigenschaft von Menschen. Hier vielleicht im Sinne von „etwas tun, das schon viele vorher getan haben“, „nicht eigener, sondern fremder Vorliebe folgen und diese dann zur eigenen erklären“.

„Die Zeit in Hoffenheim ist mir zu lang geworden. Ich habe gefühlt, dass ich noch viel mehr vorhabe. Der VfB ist ein großer Verein mit enormem Potenzial. Ich will dazu beitragen, dass wir uns mittelfristig wieder nach oben orientieren können“. Das ist ehrlich gesagt die Stelle, an der allzu offensichtlich die eigene Wunschvorstellung zur Realität erklärt wird. Die Zeit kommt einem vielleicht länger vor, wenn man merkt, dass man nicht mehr gebraucht wird. Auch wenn das viele noch nicht begriffen haben: Ibisevic ist in Hoffenheim überflüssig. Das in den letzten Tagen immer wieder zu hörende verzweifelte Statistikausschlachtungsergebnis, dass in Hoffenheim nur vier Spieler Tore erzielen und das zuletzt bei Viktoria Bergisch Gladbach 1934/35 so war und die daraufhin aus der Gauliga abgestiegen sind, ist sowas von egal. Die Torschüsse konzentrieren sich in der subjektiven Wahrnehmung nicht auf wenige Spieler. Johnson, Mlapa, Sigurdsson, Rudy haben auch Torschüsse; Vestergaard, Compper, Vorsah hatten allesamt gefährliche Kopfbälle – einzig, dass die Chancen von allen außer den verbleibenden 3 Torschützen abgewehrt wurden, ist ein Zufall, den es seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, als Fußball aus dem damals sehr beliebten Hallenhalma hervorging, höchstens drei Mal gab.

Für Ibisevic wurde das wundervolle 4-2-4-0 aufgegeben. Er knipste ab und zu und vergab dabei auch viele Chancen. Wie viel besser das Spiel, das mit seiner Rückkehr unansehnlicher und erfolgloser wurde, ohne ihn gewesen wäre, weiß man nicht. Dass Stanislawski nicht allzu heiß darauf war, ihn zu behalten, war klar. Klar ist auch: der VfB ist ein Verein mit großem Potenzial. Mit großen Ansprüchen, immer wieder mit einem gewissen Verlust des Realitätssinns. Wahrscheinlich mit Menschen mit Tradition auf allen Ebenen. Natürlich wird sich der Verein wieder nach oben orientieren. Dann aber auch wieder nach unten. Es fehlt bei den Schwaben die Einsicht: das grundsolide Leverkusen, das krisenbeständige Werder, der neue Spitzenklub Dortmund (mit lächerlich geringem Personaletat) und nicht zuletzt der von Magath – zumindest was den Kader angeht – hervorragend umgekrempelte FC Schalke, all diese Vereine sind in der Lage, ihr Potenzial zu nutzen. Leverkusen in dieser und Bremen in der letzten Saison haben gezeigt, dass sie, auch wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden, die Geduld nicht verlieren. Und damit sind sie dem VfB Stuttgart meilenweit voraus. Stuttgart schmeißt seit Jahren bei Misserfolg die Trainer und verkauft bei Erfolg die wichtigsten Spieler. Kauft bei spontanem Reichtum teuer ein (Marica) und interessiert sich für die Spieler aus der eigenen Jugend nur, wenn das Geld für Neuzugänge gerade fehlt.

Der belächelte Nachbarverein (den Neckar runter und die Elsenz wieder hoch) hält dagegen bei Misserfolg am Trainer fest, kauft Spieler, die irgendwo auf der Bank sitzen (mal sehen, ob noch jemand kommt) und verkauft die Spieler, die zu wenig Leistung für zu viel Geld bringen, für viel Geld an genau solche Vereine. Vielleicht fehlt es der TSG einfach an Menschen mit Tradition, mit deren bedingungsloser Unterstützung man es sich leisten kann, einen Haufen bereits ausgemusterter Spieler weiter zu bezahlen und die Früchte der eigenen Nachwuchsarbeit immer wieder bereitwillig an andere Vereine abzugeben.